Auch wenn ich eigentlich das Gefühl habe, dass mein Passing meist doch ganz gut ist, gibt es natürlich immer Situationen, in denen ich daran zweifele. So war ich gestern in Essen zu Besuch bei Jasmin, die im kommendem Jahr ihren Weg als Transmann gehen möchte.
Nachdem ich von der Stadt zunächst deutlich positiv überrascht war - ich hatte eine Industriestadt erwartet und fand eine moderne und offensichtlich shoppinggeignete Großstadt vor - kann ich Essen leider doch nicht positiv im Gedächtnis behalten. Das liegt ganz eindeutig an den Menschen, die in Essen wohnen.
Natürlich zog ich Blicke auf mich und mir war klar, dass ein paar Leute auch bemerkten, dass ich Trans bin. Als wir Glühwein tranken beispielsweise, starrte mich ein Mitvierziger einige Zeit lang an. Das macht mir aber nichts mehr aus, denn ich weiß inzwischen, dass das halt vorkommt. Auch wenns natürlich nicht toll ist.
Was aber dann folgte ist bisher einmalig und wirft im Vergleich mit Köln, Bonn und Münster ein furchtbar schlechtes Licht auf Essen: Beim Betreten des Einkaufszentrums rief ein türkischer Jugendlicher 'Iiiiih', auf der Rolltreppe der U-Bahn schrie eine seiner potentiellen Glaubensschwestern 'Eeeey das ist ein Junge' woraufhin mich natürlich alle Augen anstarrten. Als wir die Straßenbahn betraten und uns auf der gegenüberliegenden Seite an die Tür stellten, ging die Frau die auch dort stand weg. Da musste ich einfach furchtbar lachen. Nicht so lustig fand ich es, dass ich zum Beispiel an der Straßenbahnhaltestelle ziemliche Angst vor den türkischen Mitbürgern hatte, die mir böse Blicke zuwarfen. Jasmin bestätigte, dass Essen wohl keine allzu tolle und liebenswerte Stadt ist und einen sehr hohen Ausländeranteil hat.
Eigentlich habe ich ja nichts gegen Ausländer: Ein Chinese, Ein Russe, eine Türkin, ein Grieche.... Alle Nationalitäten hatte ich schonmal in meinem Freundeskreis gehabt. Auch in Köln gibt es natürlich große ethnische Minderheiten, nicht umsonst gibt es hier ja eine Moschee. Und so sollte man meinen, dass mir das nichts ausmachen dürfte. Aber in Essen war mir nicht sehr wohl dabei und ich war auch sehr froh, dass Jasmin mich auf dem Rückweg zum Bahnhof begleitete.
Naja, kommen wir aber nochmal auf den gestrigen Tag zurück:
Am Bahnhof wartete sie auf mich. Als ich sie dann gefunden hatte, gingen wir zu Fuß los, der Weg zu ihrer Wohnung führte uns direkt durch die Innenstadt. Das verkaufsoffener Sonntag war, hätte mich fast in die Geschäfte laufen lassen, doch ich habe mich dann doch beherrscht ;) Einen Zwischenstop beim Glühweinstand haben wir dann aber doch eingelegt. Glühwein mit Amaretto :)
Leider ist sie sehr introvertiert, was ich vorher aufgrund der Chats die wir hatten nicht vermutet hatte. Viel Konversation gab es also nicht. Trotzdem war es eigentlich ganz schön den Nachmittag mit ihr zu verbringen, als wir in ihrem lilastichigem Fernseher die DVD von Was Mädchen wollen (Neu: Meine Filmtipps) schauten, während die verschmusten aber aufgedrehten Katzen Unsinn machten :) Wir unterhielten uns dann noch über ihre Pläne und sie brachte mich noch zum Bahnhof.
Heute war ein anstrengender Tag: 7 1/2 Stunden war ich bei Rewe beschäftigt, mit verräumen, packen, vorziehen und Papierpressen. Ich könnte mir sicher schönere Beschäftigungen vorstellen ;) Dennoch war es Alles in Allem okay, nur habe ich gemerkt das ich mit jetzt nur noch 5mg Citalopram weniger Antrieb habe als vorher. Beim Nachdenken fiel mir aber auf, dass es mir aber inzwischen nur noch wenig ausmacht, wenn mein Passing mal versagt. Ich weiß, dass es noch öfter vorkommen wird und es ist okay, denn ich weiß, es wird immer besser werden. :) Und so machte es mir auch nichts aus als ich heute nach der Arbeit bei Burger King wieder die Kassierin vom letzten Mal am Drive in hatte - und diesmal war sie, eigentlich Drive-in-untypisch, tatsächlich freundlich.
Morgen früh wollte ich zum Arzt und Blut abgeben, dann soll auch das erste Hormonprofil erstellt werden :) Ich freu mich drauf!
Bis bald :)
Eure Nina <3
||Nachtrag: Habe mich grae mal über Essen kundig gemacht... jetzt wundert mich nichts mehr: Ciao - Bericht||

